Aufsichtsräte weiterhin ohne höhere Frauenbeteiligung

3PresseKarola StangeGleichstellung

„Wenn qualifizierte und engagierte Frauen die Spitzen der Wirtschaft erklimmen wollen, ist die letzte wirksame Waffe der Männerbünde die Freiwilligkeit“, stellt Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, fest.

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Die Wirtschaft braucht die Frauen. Auch in den Führungspositionen und in den Aufsichtsräten.

Bereits im Jahr 2001 hätten die Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft den Clou gelandet, ein verbindliches Gesetz für die Gleichstellung in der Privatwirtschaft durch eine freiwillige Vereinbarung vom Tisch zu fegen. Damit ist es ihnen gelungen, eine nachhaltige Verbesserung für Frauen für mindestens ein Jahrzehnt von der Tagesordnung zu nehmen.

Dieser Clou soll nun eine zweite Auflage erfahren. Anstatt eine verbindliche Quote für Frauen in Aufsichtsräten zu verabschieden, wurde der Corporate Governance Kodex unterschrieben. Darin steht lediglich, dass eine angemessene Beteiligung von Frauen angestrebt werden soll. Dies wurde heute im Thüringer Landtag bestätigt, ohne die Chance einer weitergehenden Regelung auf Antrag der LINKEN zu ergreifen.

Damit wurde auch die Chance verpasst, eine Datenbank einzurichten, in die sich interessierte Frauen eintragen und somit einen Pool für Aufsichtsräte bilden können. Und es wird weiterhin kein Qualifizierungsprogramm geben, das sowohl Frauen als auch Männer für die Ausübung der Aufsicht und Kontrolle in den Gremien fit macht.

DIE LINKE kritisiert diese Freiwilligkeit. Selbst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat festgestellt, dass die Vereinbarung von 2001 bei den Führungspositionen noch auf seine Einlösung warte. „Warum sollten Männer auch freiwillig ihre Macht teilen oder gar abgeben?“ fragt Karola Stange hinsichtlich der wahren Machtzentren der Gesellschaft.

 

„Wir fordern die Hälfte der Macht und damit auch die Hälfte der Aufsichtsratsposten für Frauen“, sagt die Gleichstellungspolitikerin. Und zwar nicht freiwillig, sondern verbindlich – und ab jetzt. „Dann könnte im Jahr 2020 endlich die Demokratie auch in die Spitze der deutschen Wirtschaft eingezogen sein.“